Allianz gegen die Dollarhegemonie

von Michael Obergfell (fortunanetz)

Der Dollar gilt seit dem Abkommen von Bretton-Wood als Weltleitwährung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vereinbart, dass nicht mehr Gold die Basis internationaler und globaler finanzieller Transaktionen sein soll. An dessen Stelle trat der Dollar, wobei am Anfang noch festgelegt war, dass sich die US-Regierung verpflichtet, den Dollar in Gold umzutauschen, wenn ein Land oder ein Dollarbesitzer dies wünscht.

Nun ist Gold kein beliebig vermehrbares Gut, der Dollar hingegen schon. Und so kam es, dass weitaus mehr Dollar auf der Welt in Umlauf waren, als es Gold gab. Der Präsident der Franzosen, Charles de Gaulle, wusste dies und forderte 1971 sein Gold von den US-Amerikanern und unterstrich diese Forderung auch militärisch. Die USA bezahlten. Und kurz darauf verkündete der US-Präsident Richard M. Nixon, dass er die Goldbindung des Dollars aufhebt.

Daraus erwuchs eine Dollarkrise, da der Dollar ungedeckt zu sein schien. Der Goldpreis ging damals weltweit fast durch die Decke. Da der Goldpreis zum Dollar stieg, konnte man auch sagen, dass der Dollar zu Rohstoffpreisen stark sank. Und das wiederum löste damals den durch die OPEC ausgelöst den Ölpreisschock aus. Das Öl wurde aufgrund des niedrigen Dollars zeitweilig nicht mehr geliefert. Für Deutschland bedeutete dies nicht nur autofreie Sonntage, sondern eine allgemeine Steigerung der Rohstoffpreise und die daran anhängige fast 10-jährige Stagflation.

Die USA lösten das Problem, indem sie den Dollar nicht mehr an den Goldpreis, sondern an den Ölpreis banden. Das wurde dann als „Petrodollar“ bezeichnet.

Bei laufend ausgeweiteter Geldmenge aufgrund eines stetigen Wachstums der Weltwirtschaft wurde aus dem Petrodollar ein allgemeiner Rohstoffdollar, der dann weltweit als Dollarhegemonie empfunden wurde und bis heute dazu führt, dass Länder ohne Dollarreserven sich nur schwer mit Rohstoffen versorgen können. Das traurige Schicksal der Sowjetunion und der Ostblockstaaten spricht da Bände. Diese Länder kamen ökonomisch nicht voran, weil sie möglichst unabhängig vom Dollarraum sein wollten. Damit waren sie auch nicht in der Lage, zur Entwicklung ihrer eigenen Volkswirtschaften wichtige Güter zu importieren.

Was geschieht, wenn sich ein Land zum damaligen Zeitpunkt öffnete und in den Dollarraum verkaufte, kann man an zwei Ländern sehen: Spanien und China. Das Spanien unter Franco war ein Land, das ideologisch zuallererst versuchte, die eigene Vergangenheit zu bewahren und tat dies mit einer nationalistischen und faschistischen Ideologie. Ein Element dieser Ideologie war der Wunsch nach Autarkie. Das Land stagnierte deshalb jahrzehntelang in der Entwicklung. Erst am Ende der Franco-Diktatur öffnete sich Spanien gegenüber dem US-amerikanisch dominierten Welthandel. Und siehe da, das Land konnte sich sehr schnell industrialisieren.

Ein noch extremeres Beispiel war China. Schon kurz nach 1980 unter Deng Xiao Ping gründete China Freihandelszonen im eigenen Land. Diese produzierten fast ausschließlich für die USA. Im Gegenzug dazu erhielt China dann Dollars, die das Land wiederum dazu nutzte die fehlenden Rohstoffe und Technologien auf dem Weltmarkt einzukaufen. Die Folgen davon sind weithin bekannt: China hat sich nach 1985 rasant zu einer der größten Wirtschaftsmächte auf der Welt gemausert und es tat dies, indem es sich in den Welthandel ebenso voll integrieren ließ wie z. B. die BRD. Das Ergebnis war, dass die nicht in den Welthandel integrierte Sowjetunion den Anschluss an die ökonomische Entwicklung vollständig verlor und unterging, während China heute eine Wirtschaftsmacht ersten Ranges ist, die den vollen Anschluss an die ökonomische weltweite Entwicklung bis ca. 2020 erringen wird.

Im Zuge der hier beschriebenen extrem schnellen Globalisierung exportierten die USA immer mehr Dollar und mussten natürlich dadurch bedingt immer mehr importieren, auch und vor allem aus China, denn sonst würde diese Entwicklung nicht funktionieren. Leider ist es aber so, dass der steigende Export von Dollars und der stetig steigende Import von Waren eine negative Handelsbilanz geradezu erzwingt. Und heute gehört das Land mit der Weltleitwährung leider zu den ersten möglichen Pleitekandidaten.

Das löst natürlich international Tendenzen aus, dem Dollar zu misstrauen und sich gegen eine mögliche Pleite der USA abzusichern. Mit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008 ist eine Entwicklung immer wieder angedeutet worden, dass sich einzelne Länder vom Dollar lösen wollen um nicht mit in den Abgrund gerissen zu werden. Man vermutete sehr oft, dass Länder wie der Irak unter Saddam Hussein oder der Iran mit seiner vor langen Jahren einmal geplanten Ölbörse eine solche Unabhängigkeit vom Rohstoffdollar versuchten und schon aus diesen Gründen bis aufs Messer von den USA bekämpft worden seien.

Solange so kleine und letztlich global unwichtige Länder wie der Irak oder der Iran oder auch Venezuela unter dem mittlerweile verstorbenen Hugo Chavez gegen den „Großen Bruder“ stichelten, konnte man diese Entwicklung aus ökonomischer Sicht noch als relativ ungefährlich abtun. Mittlerweile sind aber globale Schwergewichte wie Russland und China dabei, zumindest eine Abgrenzung gegen den US-Dollar schrittweise zu etablieren. So titelt die regierungsnahe „Stimme Russlands“, eine Entamerikanisierung der Weltwirtschaft stünde bevor. Als Grund für ein solches Projekt, das derzeit in den russisch-chinesischen Wirtschaftsverhandlungen zur Sprache kommt, ist ganz eindeutig, dass sich Russland und China von den Schwierigkeiten der USA und ihrem Schuldendollar absichern wollen.

Derzeit handelt es sich dabei aber mehr um eine institutionelle und nicht unbedingt um eine schon praktische Abgrenzung gegen mögliche Währungsrisiken durch den Dollar. Russland bringt damit den übrigens größtenteils Rohstoff-basierten Rubel als mögliche Alternative zum Dollar ins Spiel. Zugleich ist bekannt, dass China mit Japan, Russland und anderen Nachbarstaaten schon bilaterale Abkommen hat, in denen die jeweiligen Landeswährungen als ausschließliche Zahlungsmittel vereinbart wurden und der Dollar nicht verwendet werden soll. Der Plan, den Rubel als Alternative zum Dollar einzusetzen ist dagegen neu. Hier geht es nicht darum, den Dollar zu verdrängen, hier geht es darum, eine Rohstoff-basierte Alternative weltweit anzubieten. Dass dies aber derzeit eher ein Traum oder eine Vision ist, sollte klar sein.

Dennoch ist offensichtlich der politische Wille deutlich zu sehen, gegen die Dollarhegemonie anzugehen. Auch die Idee, eine Alternative zur Weltbank und zum IWF anzubieten spricht dafür, dass ein tiefgehender politischer Wille da ist, die Dollarhegemonie durch die Entwicklung alternativer Institutionen zu brechen.

Je mehr die USA mit ihrer Verschuldungspolitik die Stabilität des Dollars gefährden, desto mehr Zuspruch werden Alternativen weltweit Zuspruch erhalten. Davon muss man derzeit ausgehen,

meint

Michael Obergfell

 


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